Deutscher Mieterbund
Landesverband Schleswig-Holstein

Kiel, den 27.10.2005

Deutlicher Anstieg bei den Sozialmieten

Nach mehreren Jahren in Folge mit tendenziell rückläufigen Mieten zeichnet sich mit Beginn des Jahres 2005 ein deutlicher Anstieg bei den Sozialmieten ab. Während der Mietenanstieg von Altbauwohnungen und frei finanzierten Nachkriegswohnungen bis auf eine Marke bei unter 0,5 Prozent weiter rückläufig war, ist die Steigerungsrate bei Mieten öffentlich geförderter Wohnungen auf 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr hochgeschnellt. Dies ergibt sich aus dem beim Statistik-Amt Nord geführten Preisbuch, in das auch verschiedene Mietwerte Eingang finden z. B. für Altbauwohnungen, Nachkriegswohnungen und Sozialwohnungen verschiedener Größenklassen. Dieses Preisbuch hat zwar nicht den Aussagewert eines Indexes, weil die Stichprobe vergleichsweise klein ist, dennoch stellt das monatlich erhobene Zahlenwerk einen Frühindikator dar, der mögliche Entwicklungen aufzeigt, bevor sie Eingang in die amtliche Statistik finden. Die nähere Zukunft wird zeigen, ob dies nur eine kurzfristige Entwicklung ist oder ob dahinter System steckt. Dazu fragt der Landesmieterbund die unterschiedlichen Mietentypen des Preisbuches regelmäßig ab und schreibt sie fort.

Die Ursache für die zwiespältige Entwicklung führen die schleswig-holsteinischen Mietervereine auf folgende Besonderheiten zurück:

1. Über den Ausverkauf großer Wohnungsbestände (KWW, KWG, LEG und BIG) sind viele Sozialwohnungen in die Hand von renditeorientierten Anteilseignern gefallen, so dass sich hier erste spürbare Auswirkungen der Verkäufe auf dem Wohnungsmarkt zeigen. Z. B. hat die WOBAU Wohnungsverwaltung (früher LEG) im Jahre 2005 eine prinzipiell zulässige Anhebung der Instandhaltungspauschalen vorgenommen, allerdings rückwirkend für das Jahr 2004 und dann auch noch in einer Summe verbunden mit dem in dieser Konstellation zynisch wirkenden Hinweis, die betroffenen Mieter könnten ja ggf. Wohngeld beantragen.

2. Eine weitere Ursache liegt in der Tatsache, dass die unternehmerische Wohnungswirtschaft, bei der sich Sozialwohnungen vorrangig konzentrieren, mehr als andere auf Sanierung und energetische Modernisierung setzt und auf diese Weise die Mieten dynamisiert.

3. Die wohnungswirtschaftlichen Verbände und die großen Wohnungsunternehmen im Lande berichten seit längerem über ein langsames Abschmelzen der Wohnungsleerstände. Insbesondere im hamburgischen Umland sind - ausgehend von der Hansestadt - die Leerstände weitgehend abgebaut. Parallel zu dieser Entwicklung kommt dann auch wieder Bewegung in die Mieten. Zwar ist der Wohnungsmarkt unter dem Strich immer noch ausgeglichen, das Risiko, dass sich eine neue Mangellage aufbauen könnte, nimmt aber angesichts der geringen Bautätigkeit deutlich zu.

Vor dem Hintergrund weiterhin sinkender Realeinkommen, der auf hohem Niveau verharrenden Arbeitslosigkeit und des zusätzlichen Druckes aus der Hartz-IV-Gesetzgebung werten die schleswig-holsteinischen Mietervereine den Anstieg der Sozialmieten als ernst zu nehmendes Alarmsignal. Die Konkurrenz um die preiswerten Wohnungen des abschmelzenden Sozialwohnungsbestandes wird schnell dazu führen, dass auch die Mieten der preiswerten Altbau- und frei finanzierten Neubauwohnungen wieder stärker anziehen.

Als Konsequenz aus dieser Entwicklung fordern die Mietervereine, den Geschosswohnungsbau nicht weiter absinken zu lassen und vermehrt preis- und belegungsgebundene Wohnungen im Bestand und im Neubau zu schaffen. Dies gilt um so mehr, als die Haushalte ohnehin durch die Entwicklung der Energiekosten gebeutelt sind und eine spürbare Entlastung nicht zu erwarten ist. In jedem Falle gilt es die Mietenentwicklung sorgfältig im Auge zu behalten.

Verantwortlich: Jochen Kiersch - Kiel