Deutscher Mieterbund
Landesverband Schleswig-Holstein

Kiel, den 23.05.2001

Verkauf von LEG-Anteilen
Preiswertes Wohnungsmarktsegment wird weiter ausgedünnt

Wenn die Landesregierung ihre Absicht tatsächlich umsetzt, bis zu 49 Prozent der LEG-Anteile an die Firma B&L Immobilien AG zu veräußern, so steht für den Landesmieterbund fest, dass auch diese Verkaufsaktion mittelfristig eine Belastung für den Mietwohnungsmarkt darstellen wird. Dafür spricht schon die Unternehmensstrategie der B&L Immobilien AG. Auskunft gibt das Internet:

"Klare Anlagestrategie

Die B&L Immobilien AG verfolgt eine strategische Anlagepolitik. So wird sie für ihr Portfolio schwerpunktmäßig innerstädtische Einzelhandels- und Büroimmobilien erwerben. Solche Immobilien verfügen über ein verlässliches Wertsteigerungspotenzial sowie eine hohe Veräußerungsfähigkeit. Und der Umgang mit solchen Immobilien gehört seit der Gründung zur Kernkompetenz des Unternehmens.

In ihr Handelsportfolio wird die B&L Immobilien AG nur solche Immobilien aufnehmen, die an Wachstumsstandorten liegen und deren Wert durch professionelle Maßnahmen der Projektentwicklung oder des Vermietungsmanagements kurz- bis mittelfristig erheblich gesteigert werden kann. Diese Buy- and Sell-Strategie wird zur Verstetigung der Einnahmen des Unternehmens beitragen.

Das Bestandsportfolio besteht ausschließlich aus vollvermieteten Immobilien an etablierten, erstklassigen Standorten. Sobald eine Immobilie die angestrebte Marktposition erreicht hat und weitere Wertsteigerungen mittelfristig nicht zu erwarten sind, tauscht die B&L Immobilien AG diese Immobilie gegen eine andere aus.

Das Anlageportfolio wird neben Büroimmobilien und Shoppingcentern in einer Größenordnung von 20.000 bis 40.000 qm Verkaufsfläche zukünftig auch einen umfangreichen Wohnungsbestand umfassen. Diese Wohnungen werden in gewachsenen Lagen deutscher Metropolen angesiedelt sein und damit ebenfalls über eine hohe Werthaltigkeit verfügen."

Wenn auch das Unternehmen bei einer 49-Prozent-Beteiligung keinen unmittelbaren Zugriff auf den Wohnungsbestand haben wird, so geht aus der Unternehmensstrategie klar hervor, dass die LEG zukünftig auf Rendite getrimmt wird, was zu Lasten des preiswerten Marktsegmentes in Schleswig-Holstein geht. Besonders wird dies die Landeshauptstadt Kiel betreffen, die schon durch die Zersplitterung des KWW-Wohnungsbestandes und die Veräußerung der Kieler Wohnungsbaugesellschaft gebeutelt ist. Die dramatischen Veränderungen in der Eigentümerstruktur der großen Wohnungsbestände wirken sich vor dem Hintergrund leidlich entspannter Wohnungsmärkte zur Zeit nur geringfügig aus. Dies kann sich allerdings schnell ändern; die Neubautätigkeit rutscht ins Bodenlose, der Sozialwohnungsbestand schmilzt dahin wie Butter an der Sonne und es ist und bleibt nur eine Frage der Zeit, dass sich entgegen den Prophezeiungen des Innenministeriums der Wohnungsmarkt wieder anspannt. Dann kommt die Stunde der Marktapologeten, die die Rendite ihrer günstig getätigten Investments abschöpfen werden. Dies kann sich nur in deutlichen Mietsteigerungen niederschlagen.

Für schwer nachvollziehbar hält der Landesmieterbund im Übrigen die Tatsache, dass die Landesregierung sich bei der Veräußerung der Kieler Wohnungsbaugesellschaft klar gegen dieses Geschäft ausgesprochen hat und jetzt offenbar selber durchaus bereit ist, mit einem Immobilienvermarkter abzuschließen. Der Mieterbund Schleswig-Holstein fordert die Landesregierung auf, dieses Geschäft noch einmal zu überdenken und dabei zu berücksichtigen, dass einmal veräußerte wertvolle Beteiligungen in der Regel unwiderbringlich sind. Ihren hohen Wert für das Land hat die LEG in der Vergangenheit dauerhaft bewiesen durch professionelle, aber behutsame Erschließungen, eine fürsorgliche Pflege und Verwaltung ihres Wohnungsbestandes und die Erzielung einer angemessenen Rendite. Auch für das Land gilt: Alles verscheuern kann jeder.

Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel