Deutscher Mieterbund
Landesverband Schleswig-Holstein

Kiel, den 18.05.1999

Frühjahrsumfrage des Landesmieterbundes:
Entspannungstendenzen am Wohnungsmarkt halten an

Die Frühjahrsumfrage 1999 zur Wohnungsversorgung in Schleswig-Holstein ist abgeschlossen und ausgewertet. Die seit längerem zu beobachtenden Entspannungstendenzen schlagen sich in den Ergebnissen nieder. Hier die Einzelheiten:

19 der 25 befragten Gemeinden mit mehr als 10 Tausend Einwohnern haben verwertbare Zahlen zurückgemeldet. Danach ist die Zahl der wohnungssuchend gemeldeten Haushalte hochgerechnet auf das ganze Land zurückgegangen von 34.069 im Frühjahr 1998 auf 24.375 im Frühjahr 1999. Dieser Rückgang betrifft fast ausnahmslos alle Gemeinden und schlägt sich auch im hamburgischen Umland nieder. Auffällig ist allerdings die Tatsache, daß einzelne Kommunen diese Zahl nicht mehr erfassen, darunter die Stadt Flensburg, die 1997 noch 438 wohnungssuchende Haushalte gemeldet hat. Einzelheiten bitten wir der in Kopie beigefügten Tabelle zu entnehmen (die dort für ganz Schleswig-Holstein ermittelten Zahlen sind aus den Bevölkerungsanteilen der Kommunen, die gemeldet haben, hochgerechnet).

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich bei den mit Notunterkünften versorgten Haushalten, wobei der Abschmelzprozeß hier weniger steil verläuft (siehe Grafiken). Hier fällt auf, daß das Zahlenmaterial der Kommunen sicherer ist, zumal die Mehrzahl der Kommunen genaue Angaben machen kann.

Ganz andere Verhältnisse finden wir bei den wohnungslos gemeldeten Personen; die Angaben der Kommunen schwanken hier beträchtlich und beruhen zum großen Teil auf Schätzungen. Auch diese Schätzungen weichen von Jahr zu Jahr teilweise deutlich ab. Dennoch deutet auch hier der Trend nicht auf eine Verschärfung hin, eher steht zu vermuten, daß sich die Zahlen auf dem jetzigen Niveau stabilisieren, wobei eine Dunkelziffer mit erheblicher Spannweite zu beachten ist.

Wie lange diese Entwicklung anhalten wird steht dahin; ursächlich für die erfreulichen Kurvenverläufe ist der Boom auf dem Eigenheimsektor, der im Mietwohnungsbestand eine enorme Entlastung geschaffen hat. Die kreisfreien Städte haben in erheblichem Umfang Eigenheimer an das Umland verloren und so neben dem Geschoßwohnungsneubau zusätzliche Wohnungen durch Wegzug freibekommen. Die Tatsache, daß gleichwohl kein massenhafter Leerstand zu verzeichnen ist, veranschaulicht im Nachhinein, unter welchem starken Druck die städtischen Wohnungsmärkte zwischen 1991 und 1995 gestanden haben.

Erstmalig hat der Landesmieterbund bei seiner Frühjahrsumfrage auch die den Sozialämtern durch die Amtsgerichte gemeldeten Zahlen der räumungsbeklagten Haushalte abgefragt. Auch hier haben die meisten Kommunen sichere Zahlen gemeldet. Hochgerechnet auf das ganze Land ist danach davon auszugehen, daß im Frühjahr 1999 rund 5.250 räumungsbeklagte Haushalte - mehrheitlich wegen Zahlungsrückständen - von Wohnungsverlust bedroht waren. Diese Zahl ist erschreckend hoch und belegt nach Auffassung des Landesmieterbundes die Notwendigkeit, die Wohnkostenbelastung insgesamt zu senken durch eine Erhöhung des Wohngeldes und durch Vermeidung zusätzlicher Dynamisierung der Wohnkostenbelastungen, wie sie aus der Ökosteuer erwachsen, oder aus dem Fortfall der 630,00 DM-Regelung. Erstere bringt eine Erhöhung der Heizkosten um bis zu DM 300,00 jährlich mit sich, letzterer wird Auswirkungen auf die Betriebskosten haben, da viele ehrenamtliche Hausmeister, die auf dieser Basis beschäftigt werden, ihren Job geschmissen haben mit der Folge, daß kommerzielle Unternehmen diese Aufgaben zukünftig wahrnehmen mit zusätzlichen Kostenbelastungen durch Unternehmensgewinne und Mehrwertsteuer.

Geschoßwohnungsbau weiter auf Talfahrt

Ob die positive Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt dauerhaft ist steht dahin; zwischenzeitlich liegen die letzten Baugenehmigungszahlen des Jahres 1998 und die ersten des Jahres 1999 vor. Mit 18.055 Genehmigungen ist das Ergebnis nur um knapp Tausend Einheiten schlechter ausgefallen als im Vorjahr und immer noch ganz ansehnlich. Bei genauerer Betrachtungsweise offenbart sich jedoch, daß die seit 1996 zu beobachtende Verschiebung zu Lasten des Geschoßwohnungsbaus und zu Gunsten der Ein- und Zweifamilienhäuser erheblich zugenommen hat. So wurden 11.210 Wohnungen im Ein- und Zweifamilienhausbau errichtet gegenüber nur noch 6.845 Wohnungen im Geschoßwohnungsbau. Dieser Trend hat sich in den ersten beiden Monaten des Jahres 1999 sogar noch verschärft; Von 944 Baugenehmigungen im Januar waren 298 solche im Geschoßwohnungsbau und 646 solche für Ein- und Zweifamilienhäuser. Im Februar waren von 1.087 Baugenehmigungen nur noch 225 für den Geschoßwohnungsbau erteilt worden gegenüber 862 im Ein- und Zweifamilienhausbau. Wenn diese Entwicklung anhält ist es nur eine Frage der Zeit, daß wir wieder einen Mangel an innerstädtischen Mietwohnungen haben werden, ganz abgesehen von den Umwelt- und Verkehrsproblemen, die sich aus dem Wildwuchs der Einfamilienhaussiedlungen ergeben (vgl. auch Grafik Baugenehmigungen).

Der Landesmieterbund warnt daher vor einem Absacken der Genehmigungszahlen für den Mietwohnungsbau ins Bodenlose.

Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel