Deutscher Mieterbund
Landesverband Schleswig-Holstein

Kiel, den 16.02.2012

Beratungsstatistik 2011: Steigende Inanspruchnahme des Mietervereins
Mehr Streit um Mieterhöhungen, Kautionen, Betriebskosten und Mängel

Einmal jährlich wertet der Kieler Mieterverein seine Rechtsberatungsstatistik aus; dabei wartet die Statistik des Jahres 2011 gleich mit mehreren Überraschungen auf: So ist die Zahl der Beratungen gegenüber dem Vorjahr um 11,9 % angestiegen, was nach Auffassung von Mietervereins-Geschäftsführer Jochen Kiersch ein klares Indiz dafür ist, dass sich die Anspannung am Wohnungsmarkt weiter verschärft. Diese Einschätzung deckt sich auch mit der Mitgliederentwicklung; mit knapp 2000 Neuzugängen werden wieder Werte erreicht, wie sie der Mieterverein zuletzt vor 10 Jahren verzeichnen konnte. Netto hat der Kieler Mieterverein um 2,2 % zugelegt und die Marke von 18.000 Mitgliedern nur knapp verfehlt.

Bei den Beratungsschwerpunkten hat sich allerdings keine wesentliche Änderung ergeben; mit 30,2 % liegt der Anteil von Auseinandersetzungen um Mängel des Mietobjektes mit Abstand an der Spitze. Dabei bilden Streitigkeiten um Feuchtigkeit und Schimmelpilzbildung besonders im Winterhalbjahr einen Schwerpunkt. Mit einer Steigerung um 14,4 % fällt dieser Teil des Konfliktpotentials noch spürbar höher aus als die allgemeine Steigerungsrate in der Rechtsberatung, die mit 11,9 % zu Buche schlägt. Das gleiche gilt für Auseinandersetzungen um die kalten Betriebskosten. Diese haben um 16,4 % zugelegt und machen einen Anteil von 20,3 % an der Arbeit des Mietervereins aus. Hier spielen insbesondere diejenigen Betriebskosten eine große Rolle, die auf Dienstleistungsverträge zurückgehen wie Hauswartstätigkeiten, Kosten der Gartenpflege  und Schnee- und Eisbeseitigung, sowie Fahrstuhlwartungsverträge. In diesen Positionen versuchen viele große Wohnungsunternehmen zusätzliche Gewinne zu generieren durch Einsatz von Unternehmen des eigenen Konzernverbundes zu Preisen, die die Mieterorganisation für weit überhöht hält. Teils wird auch versucht, auf diesem Wege Instandhaltungskosten, die der Vermieter bezahlen muss, in die Betriebskosten zu verlagern. Mit 16,7 % liegen Auseinandersetzungen um Heizkosten zwar an Position 3 der Beratungsschwerpunkte, allerdings war der Anteil der Beratungsnachfrage in 2011 deutlich rückläufig. Dies ist nach Auffassung des Mietervereins zweifelsfrei darauf zurückzuführen, dass die Abrechnungen der Jahre 2009 und 2010 noch von den sehr niedrigen Energiekosten der Jahre 2008 und 2009 infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise profitiert haben. Da mit über 90 Cent inzwischen wieder ein Höchstniveau erreicht ist, rechnet der Mieterverein in Zukunft auch wieder mit steigender Beratungsnachfrage im Bereich der Heizkosten. Platz 4 bei den Streitgegenständen nehmen die Kautionen ein, die allerdings mit einer Zunahme um 23,5 % einen ordentlichen Sprung gemacht haben. Dies führt der Mieterverein darauf zurück, dass Vermieter in zunehmendem Maße versuchen, Kautionen mit nicht tragfähigen Gründen einzubehalten. Weigerungen, die Kaution zurück zu zahlen, sind geradezu ein Volkssport geworden.

Mit großer Sorge betrachtet der Mieterverein einen steilen Anstieg bei den Mieterhöhungen. Auch wenn der Beratungsanteil mit 4,7 % bei den Vergleichsmieterhöhungen sich noch eher auf niedrigem Niveau bewegt, so zeigt die Zunahme um 34,7 % wohin die Reise geht: Immobilien sind wieder gefragt, Neubau findet nur auf sehr niedrigem Niveau statt, der Wohnungsmarkt für kleine und einfache Wohnungen wird immer enger. Diese Faktoren treiben die Mieten zwangsläufig in die Höhe. Auch wenn Modernisierungsmieterhöhungen mit einem Anteil von 0,6 % keine große Rolle spielen, bedeutet die Zunahme um 50 % für die Mieter nichts Gutes. Die Angst vor Leerständen ist vorbei. Vermieter trauen sich wieder die Miete zu erhöhen.

Fazit des Mietervereins: Steigende Mitgliederzahlen und eine steigende Inanspruchnahme der Rechtsberatung sind ein untrügliches Zeichen für eine spürbare Anspannung der Wohnungsmärkte. Der Kieler Mieterverein fordert das Land  und die Stadt auf, schnell gegenzusteuern und wieder mehr preiswerte Sozialwohnungen bereit zu stellen. Darüber hinaus müssen das Land und die Stadt energische Maßnahmen ergreifen, um der Verwahrlosung von Wohnungsbeständen entgegen zu wirken und für eine bezahlbare energetische Verbesserung alter Wohnungsbestände zu sorgen.

Verantwortlich: Jochen Kiersch, Kiel

 

Gegenstand

2008

2009

2010

2011

Veränderung %

Anteil %

Mängel des Mietobjektes

4.824

4.847

4.937

5.648

14,4

30,2

Betriebskosten

3.168

3.123

3.263

3.798

16,4

20,3

Heizkosten

2.471

2.867

2.903

3.132

7,9

16,7

Kaution

1.215

1.098

1.035

1.278

23,5

6,8

Sonstiges

1.265

1.166

1.089

941

-13,6

5,0

Vergleichsmieterhöhung

788

675

648

873

34,7

4,7

Schönheitsreparaturen

788

846

576

711

23,4

3,8

Mieterkündigung

644

536

549

585

6,6

3,1

Mängelbeseitigungsansprüche des Vermieters

410

419

441

392

-11,2

2,1

Eigenbedarfskündigung

234

284

266

311

16,9

1,7

Mietvertrag überprüfen

176

207

225

248

10,0

1,3

fristl. Vermieterkündigung

212

225

212

198

-6,4

1,1

Sonstige Beendigung des MV

144

113

126

153

21,4

0,8

Modernisierungsmieterhöhung

171

99

81

122

50,0

0,6

Nebenräume, Gärten

63

36

27

86

216,7

0,5

Modernisierung

140

72

171

77

-55,3

0,4

Verwertungskündigung

113

86

59

54

-7,7

0,3

einvernehmliche Mieterhöhung

81

77

23

32

40,0

0,2

Untervermietung WG

45

27

27

23

-16,7

0,1

§ 5 WiStG/302 aStGB

0

9

0

18

 

0,1

Kostenmieterhöhung

5

5

5

14

200,0

0,1

Tierhaltung

18

23

18

14

-25,0

0,1

Maklercourtage

9

5

14

5

-66,7

0,0

Betriebskostenmieterhöhung

32

27

23

0

-100,0

0,0

Beratungen gesamt

17.010

16.866

16.713

18.707

11,9

100,0