Deutscher Mieterbund
Landesverband Schleswig-Holstein

Kiel, den 11.01.2008

Energetische Nachrüstung des Wohnungsbestandes nur mit Augenmaß preiswerter Wohnungsbestand darf nicht „wegmodernisiert“ werden
Einseitige Fokussierung auf Mietwohnungen ist falsch

Einem Bericht der Kieler Nachrichten vom 11.01.2008, in dem über den 10-Punkte-Aktionsplan der SPD Schleswig-Holstein berichtet wird, ist unter anderem zu entnehmen, dass Energieeinsparung im Wohnungsbau nach den Vorstellungen der Landes-SPD vorrangig auf Mietshäuser abzielen soll. Derartige Überlegungen greifen nach Meinung des Mieterbundes Schleswig-Holstein deutlich zu kurz:

Das Statistikamt Nord weist landesweit einen Bestand von 730.966 Wohngebäuden aus. 551.137 dieser Gebäude sind Einfamilienhäuser, weitere 94.090 sind Zweifamilienhäuser. Damit entfällt ein Anteil von 88,3% des Gebäudebestandes auf Ein- und Zweifamilienhäuser. In 85.739 Gebäuden befinden sich drei und mehr Wohnungen. Hier finden wir auch die Mehrheit der Mietwohnungen im Lande (Quelle: Statistikamt Nord - Der Bestand an Wohngebäuden und Wohnungen in Schleswig-Holstein am 31.12.2006).

Ein übriges tritt hinzu: Bekanntermaßen hat die Landeshauptstadt Kiel unlängst den Heizspiegel für Kiel des Jahres 2006 veröffentlicht (auch zu finden unter www.kieler-mieterverein.de). Aus der nachfolgenden Tabelle, die diesem Heizspiegel auszugsweise entnommen worden ist, kann man ersehen, dass der Heizenergieverbrauch je Quadratmeter Wohnfläche umso größer ist, je kleiner die Wohnfläche des beheizten Gebäudes ist. Und natürlich findet sich der relativ höchste Energieverbrauch genau bei den Ein- und Zweifamilienhäusern, während die größeren und mehrgeschossigen Wohnanlagen die relativ besten Werte aufweisen.

Heizenergieverbrauch von ölbeheizten Gebäuden im Jahr 2006, kWh pro m2 und Jahr
beheizte Wohnfläche* optimal durchschnittlich erhöht extrem hoch
100 - 250 < 128 128-187 188-248 > 248
251 - 500 < 113 113-174 175-232 > 232
501 - 1.000 < 98 98-160 161-216 > 216
über 1.000 < 91 91-152 153-207 > 207

Die Mieterorganisation wendet sich nicht gegen eine energetische Nachrüstung des Mietwohnungsbestandes. Die Fokussierung ausschließlich auf den Mietwohnungsbau indessen hält die Organisation für einen schweren Fehler. Sie gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass die Zahl einkommensschwacher Haushalte trotz guter Konjunkturlage und sinkender Arbeitslosigkeit weiter zunimmt. Die Erfahrung zeige, dass die wohlfeile Idee von der "warmmietenneutralen" energetischen Modernisierung eine Fata Morgana ist. Dies hat seine Ursache darin, dass die Energieeinsparpotenziale bei Ankündigung einer Modernisierungsmaßnahme ausnahmslos viel zu hoch angesetzt werden (teilweise zwischen 50 und 70 %) und nur so halbwegs erträgliche Mieterhöhungen vorspiegeln. Die ernüchternde Realität ist, dass am Ende selten mehr als 30 % Energieeinsparung dabei herauskommt (die keineswegs klein geredet werden soll).

Vor diesem Hintergrund wendet sich die Mieterorganisation mit Nachdruck dagegen, die energieaufwändigen Ein- und Zweifamilienhäuser aus dem Blick zu verlieren.

Vor allem fordern die Mietervereine aber dafür zu sorgen, dass der Mietwohnungsbau auch im  energetisch nachgerüsteten Zustand ein ausreichendes Angebot an preiswerten Wohnungen für die zunehmende Zahl von Haushalten vorhält, die Versorgungsschwierigkeiten am Wohnungsmarkt haben. Dieses Ziel sieht der Mieterbund SH als ernstlich gefährdet an. Dazu trägt sowohl die Absicht des SPD-Landesvorsitzenden und Innenministers Stegner bei, Tausende Sozialwohnungen vorzeitig in den freien Wohnungsmarkt zu überführen, wie auch die unbestrittene Notwendigkeit, den Wohnungsbestand zum Zwecke der Energieeinsparung und des Klimaschutzes besser zu dämmen.

Verantwortlich: Jochen Kiersch - Kiel